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Zu Besuch beim Messerschleifer und -schärfer

Gemäss Wikipedia lautet der Begriff: Scheren- oder Messer- oder Wanderschleifer. Es sind Handwerker, die als Reparatur-, Wartungs- und Instandhaltungsarbeit stumpfe Messer, Scheren und anderes Schneidwerkzeug schärfen und in Stand setzen. Scherenschleifer gilt als alter Beruf des fahrenden Volkes. Es handelt sich um einen Anlernberuf, der gleichwohl viel Erfahrung erfordert und heute meist sowohl als Reisegewerbe von umherziehenden Kleinunternehmern als auch an festen Standorten praktiziert wird. Der Beruf wird inzwischen nur noch selten ausgeübt und zählt damit zu den aussterbenden Handwerken.
Ich habe das Glück, das vis-à-vis meiner Arbeitsstätte ein Messerschärfer seine Werkstatt betreibt und ich ihn besuchen und ihm bei der Arbeit über die Schultern schauen darf. Viele unterschiedliche Sachen liegen zum Bearbeiten und Schleifen bereit: Sägeblätter, Messer aus Haushaltungen oder – wie gerade im Moment – 60 Stück Tafelmesser aus einem Altersheim, ein Sägeblatt von einer Aufschnittmaschine eines Restaurants, eine Papierschneidemaschine aus einem Schulhaus, dessen Schnittfläche vom Zuschneiden von Papier ganz stumpf geworden ist, diverse Bandsägeblätter, zu ersetzende Zähne von Sägeblättern etc. Ein Spezialauftrag liegt auch noch vor! Ein grosser Bohrer eines Elektrikers (Durchmesser ca. 3 – 4 cm) ist durch das viele Aufsetzen ins Bohrfutter schon ganz abgegriffen, der Bohrer lässt sich nicht mehr gut und bündig ins Bohrfutter einspannen. Pesche, der Messerschleifer, zwickt das oberste Stück weg und setzt den Bohrer in eine Maschine ein, um den Bohrkopf zu fixieren. Feineinstellung hier, Einstellung und Drehen da und er beginnt damit, beidhändig die Räder der Maschine zu bedienen und drei neue Kanten in den Bohrer zu schleifen, so dass dieser im Bohrfutter wieder greift und auch wieder hält. Was mir auffällt: Diese Arbeit benötigt enorme Präzision und Fingerfertigkeit! Ein falsches Ansetzen oder Schleifen würde ein Sägeblatt oder Messer oder sonstiges Arbeitsgerät ruinieren! Wenn ich da an mein teures Kai Shun Messer denke…..! Dieses hat er mir aber bereits erfolgreich und fachmännisch geschliffen, so dass ich wieder gerne damit Gemüse schnipsle.
Ein weiterer spezieller Auftrag hat mir Pesche erklärt und gezeigt. Statt eines Käseschneidedrahtes wollte ein Maschinenhersteller ein Käseschneideband. Dieses Band ist lediglich ca. 5 mm breit, davon muss gut die Hälfte quer am Ansatz geschliffen werden, so dass Käse statt mit Draht (wie wir es sonst kennen) mit diesem Sägeband gebrochen werden kann. Eine spezielle Herausforderung und zudem muss dieses Band ab Rolle bearbeitet werden, was wiederum etwas Erfindergeist und Ideen erfordert. Aber auch dies hat Pesche erfolgreich gemeistert. Übrigens hat er ursprünglich einmal Schreiner gelernt und sich das Fachwissen für das Schleifen verschiedenster Materialien und das Bedienen der Arbeitsgeräte beigebracht.

19. August 2019

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